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Maßnahmen bei Mangelernährung

Es bedarf sehr viel Sorgsamkeit und Unterstützung von verschiedenen Seiten, um ein bestehendes Nährstoffdefizit auszugleichen. Mangelernährte Patienten, die allein zu Hause leben und sich selbst versorgen, sind auf Hilfe angewiesen. Sie brauchen einen Ansprechpartner und Betreuer, der ihnen Rückhalt während der Therapie und bei der Therapiekontrolle bieten kann. In Pflegeeinrichtungen ist es die Aufgabe des Personals, die Nährstoffversorgung sicherzustellen. Sollten Sie den Verdacht haben, dass keine beziehungsweise nur unzureichende Maßnahmen gegen eine drohende oder bereits bestehende Mangelernährung getroffen werden, sollten Sie unbedingt den behandelnden Arzt und das Pflegepersonal darauf ansprechen.

Äußere Ursachen der Mangelernährung reduzieren

Oberstes Ziel bei der Behandlung einer Mangelernährung ist es, die bedarfsgerechte Nährstoffaufnahme wiederherzustellen. Gehen Sie deshalb den Ursachen für die unzureichende Nahrungsaufnahme auf den Grund und versuchen Sie, die störenden Faktoren auszuschalten. So können das Anpassen einer Zahnprothese, intensive Mundpflege und eine Schlucktherapie dazu beitragen, dass die Nahrungsaufnahme erleichtert wird. Krankengymnastik, Ergotherapie und Esstraining helfen bei körperlichen Beeinträchtigungen, die Bewegungsabläufe einzuüben. Darüber hinaus sind technische Hilfsmittel wie spezielles Besteck, Teller und Tassen eine gute Möglichkeit, um das selbstständige Essen und Trinken zu vereinfachen. Grunderkrankungen und Medikamente, die Einfluss auf den Ernährungsstatus und den Appetit haben, müssen vom Arzt kontrolliert werden.

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Ernährungsmaßnahmen

Als wichtigste Maßnahmen gegen eine Mangelernährung muss zum einen für ein ausreichendes Nährstoffangebot gesorgt werden, zum anderen sollten Sie alles dafür tun, um den Appetit des Patienten anzuregen. Stellen Sie einen Speiseplan auf, der energiereiche Kost mit hoher Nährstoffdichte enthält. Das bedeutet beispielsweise eine abwechslungsreiche Zusammenstellung mit Nahrungsmitteln wie fettreicher Milch und Milchprodukten, Gemüse, Obst und Vollkornprodukten sowie Fleisch und Fisch.

Sorgen Sie dafür, dass die Gerichte appetitlich und geschmackvoll zubereitet sind. Um den Geschmack zu intensivieren, sparen Sie nicht mit Kräutern und Gewürzen. Gehen Sie auf Essenswünsche und -vorlieben ein – Lieblingsspeisen bleiben selten unangerührt.

Beachten Sie bei Kau- und Schluckbeschwerden die Konsistenz der angebotenen Speisen. Oft hilft es, schlecht zu zerkleinernde oder trockene Bestandteile der Nahrung, wie beispielsweise harte Brotrinde, zu entfernen oder festes Obst zu zerkleinern. Komplett pürierte, breiartige Kost ist in vielen Fällen nicht nötig und fördert nicht den Appetit.

Patienten mit starken Schluckstörungen haben häufig Probleme mit sehr dünnflüssiger Nahrung oder Getränken. Diese sind im Mund nur schwer kontrollierbar. Zudem kann es, bedingt durch die schnellere Fließgeschwindigkeit bei gleichzeitig verzögertem Schluckreflex, leicht zum Verschlucken kommen. In diesen Fällen hat sich das Andicken der Speisen mit Instant-Dickungsmitteln bewährt. Das geschmacksneutrale Pulver kann in jede Form von kalten oder warmen Getränken, Suppen, Soßen oder pürierten Gerichten eingerührt werden, so dass diese die gewünschte Konsistenz erhalten, die am leichtesten zu schlucken ist.

Da große Essensportionen, insbesondere bei Appetitlosigkeit, meist auf Ablehnung stoßen, ist es sinnvoll, mehrere kleinere Zwischenmahlzeiten anzubieten. Wichtig für viele alte Menschen ist, dass – auch für diese Zwischenmahlzeiten – festgelegte Essenszeiten eingehalten werden. Zu jeder dieser Mahlzeiten sollten Sie ein Glas Wasser oder Tee reichen, damit nicht nur die gewünschte Nahrungs-, sondern auch die erforderliche Trinkmenge von 1,5 bis 2 Litern erreicht wird.

Schaffen Sie außerdem eine ruhige und behagliche Atmosphäre während der Mahlzeiten und vermeiden Sie Störungen oder Ablenkungen. Ihr Angehöriger braucht möglicherweise viel Zeit zum Essen und ist über Ihre Gesellschaft dabei dankbar.

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Bilanzierte Trinknahrung

Häufig kann trotz Optimierung des Nahrungsangebots, des Umfeldes und einer medizinischen Behandlung möglicher Grunderkrankungen die ausreichende Nährstoffaufnahme nicht gewährleistet werden. In diesen Fällen ist zur Ernährungstherapie eine Trinknahrung erforderlich.

Bilanzierte Trinknahrungen (in Apotheken erhältlich, z.B. Biosorb Energie oder Fortimel Complete) sind besonders geeignet, um Defizite und Mangelerscheinungen sowie Unterernährung zu vermeiden. Bilanzierte Trinknahrungen sind zur ausschließlichen Ernährung geeignet und versorgen den Körper mit allen Nährstoffen, die wir zum Leben brauchen. Diese Produkte sind bei fehlender oder eingeschränkter Fähigkeit zur ausreichenden Ernährung verordnungsfähig und werden von der Gesetzlichen Krankenversicherung erstattet.

Es gibt eine breite Palette an Trinknahrungen, die ganz unterschiedliche Anforderungen erfüllen, so dass eine bedarfsgerechte Ernährung in jedem Fall möglich ist. Mit energie- und eiweißreichen Varianten lässt sich der Bedarf besonders leicht decken.

Eine seit Oktober 2005 in Kraft getretene Änderung der Arzneimittelrichtlinie sorgt für mehr Klarheit bei der Verordnung der als enterale Ernährung bezeichneten Trink- und Sondennahrung. Demzufolge ist enterale Ernährung bei fehlender oder eingeschränkter Fähigkeit zur ausreichenden normalen Ernährung verordnungsfähig, wenn sonstige ärztliche, pflegerische oder ernährungstherapeutische Maßnahmen nicht ausreichen. Dabei wird besonders betont, dass enterale Ernährung und andere Maßnahmen zur Verbesserung der Ernährungssituation nicht einander ausschließen, sondern erforderlichenfalls miteinander zu kombinieren sind.

Trinknahrungen können auch ergänzend zur üblichen Ernährung eingesetzt werden. Angepasst an die Vorlieben älterer Menschen sind sie in verschiedenen Geschmacksrichtungen erhältlich. Fruchtig mit Erdbeer- oder Aprikosengeschmack oder auch in Vanille, Schokolade oder Karamel. Außerdem können Sie viele Speisen mit diesen hochwertigen, energie- und eiweißreichen Produkten aufwerten, denn diese sind backfähig und können bis zu 80°C erhitzt werden. Auf diese Weise erhält beispielsweise die Gemüsesuppe zusätzliche Energie, Soßen lassen sich ideal verfeinern, Gleiches gilt für Eier- und Milchspeisen oder Fruchtgetränke.

Speziell für Patienten mit Schluckbeschwerden werden leicht angedickte Trinknahrungen angeboten. Sie haben die Konsistenz einer Cremespeise und sind angenehmer und leichter zu schlucken (z.B. Forticreme).

Viele wissenschaftliche Studien belegen die positiven Effekte auf die Abwehrkräfte und den Heilungs- und Therapieerfolg und weisen auf die Wirkung der Trinknahrungen zur Verbesserung des Allgemeinbefindens und der Lebensqualität hin.

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Sondennahrung

Wenn alle Möglichkeiten einer ausreichenden Nährstoffaufnahme durch Zusatznahrungen oder ausschließliche Trinknahrungen erschöpft sind, sollte eine künstliche Ernährung in Betracht gezogen werden. Bei massiven Schluckstörungen und bei stark geschwächten, pflegebedürftigen Patienten gelingt es mitunter nur, per Sondenernährung alle Nährstoffe in ausreichender Menge zuzuführen und auf diese Weise lebenswichtige Funktionen aufrechtzuerhalten.

Je nach Ernährungsstatus und Allgemeinzustand ist eine Sondenernährung im Rahmen einer Ernährungstherapie über einige Wochen angezeigt, sie kann jedoch auch langfristig notwendig sein. Mit entsprechender Unterstützung eines professionellen Pflegeteams kann eine solche künstliche Ernährung auch zu Hause durchgeführt werden.

Bevor eine künstliche Ernährung eingeleitet wird, bedarf es der ausführlichen Information und Aufklärung des Patienten und der Angehörigen. Die Vor- und Nachteile der Sondenernährung müssen sorgfältig gegeneinander abgewogen werden. Letztlich sollte der Wille des Betroffenen maßgeblich für die Entscheidung sein.

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Hinweise zur Betreuung und Pflege mangelernährter alter Menschen

Ernährungsmaßnahmen

  • Erstellen Sie in Absprache mit dem Arzt oder dem Ernährungsberater einen Ernährungsplan
  • Achten Sie auf nährstoff- und energiereiche Kost: fettreiche Milch und Milchprodukte, Obst, Gemüse, Salate, Kartoffeln, Vollkornprodukte, Fleisch, Fisch, Eier
  • Sorgen Sie für eine appetitliche und geschmacksintensive Zubereitung der Speisen
  • Gehen Sie auf Essenswünsche des Angehörigen ein
  • Wenn möglich, sorgen Sie für mehrere kleine Mahlzeiten
  • Fingerfood erleichtert das selbstständige Essen
  • Passen Sie bei Kau- und Schluckstörungen die Konsistenz der Nahrung den Beschwerden an, z. B. Brot ohne Rinde oder weich gedünsteter Fisch und Gemüse; ausschließlich breiartige Speisen sind dem Appetit meist nicht förderlich und werden häufig abgelehnt
  • Sollte Ihr Angehöriger Essen auf Rädern bekommen, ergänzen Sie, wenn nötig, die Nahrung durch frische, nährstoffreiche Lebensmittel
  • Wird Ihr Angehöriger in einem Pflegeheim versorgt, versuchen Sie, das Pflegepersonal zu unterstützen; bringen Sie zum Beispiel, in Absprache mit der Pflegeeinrichtung, Lieblingsspeisen mit
  • Kann eine ausreichende Nährstoffversorgung nicht sichergestellt werden, sorgen Sie für Zusatznahrungen z. B. in Form von Trinknahrung
  • Achten Sie auf reichlich Flüssigkeit: Mineralwasser, Früchte- und Kräutertees, Frucht- und Gemüsesäfte sind geeignete Getränke; auch gegen Kaffee, schwarzen Tee und Alkohol in Maßen ist nichts einzuwenden
  • Ein Glas Wasser oder Tee zu den Mahlzeiten sollte zur Gewohnheit werden
  • Ein Trinkplan für den Tag und das Bereitstellen der Getränke, die über den Tag getrunken werden müssen, hilft dabei, die gewünschte Flüssigkeitsmenge zu erreichen

Appetitanregung

  • Ermuntern Sie Ihren Angehörigen zu körperlichen Aktivitäten und Bewegung
  • Versuchen Sie es möglich zu machen, dass Ihr Angehöriger ein Mal am Tag an die frische Luft kommt
  • Mitunter können ein Aperitif oder ein Schluck Wein zur Entspannung beitragen und den Appetit anregen
Pflege und Betreuung
  • Nehmen Sie sich die Zeit, dem Angehörigen während des Essens Gesellschaft zu leisten
  • Vermeiden Sie Störungen und Ablenkungen während der Mahlzeiten
  • Schaffen Sie eine angenehme Atmosphäre während des Essens
  • Achten Sie auf eine aufrechte Körperhaltung beim Essen; wenn möglich, sollte Ihr Angehöriger sein Essen auf einem Stuhl sitzend am Tisch einnehmen
  • Überprüfen Sie, ob die Zahnprothese richtig angepasst ist
  • Achten Sie darauf, dass die Nahrung heruntergeschluckt wird
  • Stellen Sie bei Bedarf spezielles Besteck, Teller, Tassen, die das Essen und Trinken erleichtern, zur Verfügung
  • Halten Sie regelmäßig Rücksprache mit dem behandelnden Arzt und weisen Sie ihn auf Auffälligkeiten hin
  • Die Ursachen für Schluckstörungen sollten auf jeden Fall medizinisch abgeklärt werden
  • Nehmen Sie, wenn nötig, professionelle Pflegehilfe in Anspruch (Einkaufsdienste, Essen auf Rädern)
  • Besprechen Sie rechtzeitig die Vor- und Nachteile einer künstlichen Ernährung, damit Sie später nach dem Willen Ihres Angehörigen entscheiden können

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