RA Erhard Hackler
Geschäftsführender Vorstand DSL e.V. German Seniors

Bessere Früherkennung erforderlich

"Mangel- und Unterernährung" - wenn diese Begriffe fallen, denkt man meist an so genannte Dritte-Welt-Länder. Übersehen werden jedoch die multimorbiden geriatrischen Patienten, die sich zu Hause selbst versorgen oder im Pflegeheim um die Ecke leben. Viele von ihnen essen zu wenig, sind untergewichtig oder krankhaft mangelernährt. Das heißt, ihr Körper wird nicht mehr ausreichend mit Energie, Eiweiß und lebensnotwendigen Nährstoffen wie Vitaminen und Mineralstoffen versorgt. Nach einer Schätzung des Medizinischen Dienstes der Spitzenverbände der Krankenkassen (MDS) leiden in Deutschland 1,6 Millionen der 19,4 Millionen über 60-Jährigen unter chronischer Mangelernährung. Davon leben 330.000 in Altenpflegeheimen und 1,3 Millionen zu Hause.

Komplexe Ursachen
Die Ursachen für die Mangelernährung älterer Menschen sind komplex und vielschichtig. Senioren essen meist zu wenig und oft das Falsche. Die von ihnen bevorzugten Speisen wie Milchsuppe oder weich gekochtes Gemüse enthalten in der Regel vorwiegend nur so genannte "leere Kalorien" in Form von Kohlen-hydraten, die ballaststoff-, nährstoff-, vitamin- sowie mineralstoffarm sind. Für Senioren mit Kau- und Schluckstörungen sind sie leichter bekömmlich und essbar als faserreiches Frischobst, Salat und Rohkost. Die von der DGE täglich empfohlenen fünf Portionen Obst und Gemüse können ältere Menschen kaum zu sich nehmen. Aber gerade Vitamine, Folsäure, das für den Knochenaufbau wichtige Calcium und das für die Wundheilung entscheidende Zink kommen oftmals zu kurz.

Weiterbildungskampagne für Pflegekräfte
Ernährung ist ein zentraler Faktor für Gesundheit und Lebensqualität der älteren Menschen und damit Voraussetzung für ein aktives, selbstbestimmtes Leben. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin und die Deutsche Gesellschaft für Geriatrie haben erst kürzlich eine Leitlinie für die Ernährung der Älteren erarbeitet. So können heute Risikopatienten mit Standard-Fragebögen und einfachen Untersuchungen relativ schnell erkannt werden. Hierdurch wird auch die Intervention mit geeigneten Maßnahmen erleichtert. Vor diesem Hintergrund plädiert die Deutsche Seniorenliga für eine rasche Umsetzung des von der MDS geforderten regelmäßigen Screenings des Ernährungszustandes von älteren Patienten sowie eine entsprechende Schulung des Pflegepersonal. Das Max Bürger Institut für Altersforschung e.V. greift nun mit Unterstützung der Firma Pfrimmer Nutricia dieses Problem auf und beginnt eine Weiterbildungskampagne für Pflegekräfte in der stationären Altenheimversorgung.