Dr. L. Hirschmeier
Oberarzt, Geriatrische Klinik Marienheim, Wuppertal

Erkennen und Erfassen der Mangel- bzw. Fehlernährung - Möglichkeiten der Substitution

Die bei Hochbetagten häufig nachweisbare Malnutrition entsteht meist schleichend und wird von den Betroffenen und deren Betreuern, Angehörigen und Ärzten meistens weder rechtzeitig wahrgenommen noch als kritisch bewertet.
Ist es bereits zu Mangelerscheinungen mit entsprechenden klinischen Symptomen sowie der Abnahme von Gewicht und Muskelmasse gekommen, wird es schwer, den prämorbiden Zustand wieder zu erreichen.
Aus diesem Grund sollte der Erhebung der individuellen ernährungs-physiologischen Risikokonstellation in diesem Lebensabschnitt grundsätzlich ein ähnlich hoher Stellenwert eingeräumt werden wie anderen bereits etablierten routinemäßigen Früherkennungs-maßnahmen (z.B. Blutdruck- und Blutzucker-Messungen).
Da der Ernährungszustand eine komplexe Größe darstellt und es für Malnutrition keinen spezifischen pathognomischen Goldstandard gibt, ist ein abgestuftes diagnostisches Vorgehen notwendig.
In der Praxis haben sich zur Abschätzung des individuellen Risikos für Mangelernährung, bzw. des Ernährungszustandes, standartisierte Assessement-Instrumente wie das Mini Nutritionel Assessement (MNA) oder das Subjective Global Assessement (SGA) etabliert.
In einem zweiten Schritt erfolgt bei erhöhtem Risiko für eine Mangelernährung oder manifester Malnutrition neben der Ursachendiagnostik eine umfassende Erfassung des Ernährungszustandes. Dazu werden anamnestische Daten (Essbiographie), Klinische Symptome, Anthropometrische Messgrößen sowie Laborwerte erhoben.


Bei erhöhtem Risiko für eine Mangelernährung oder bereits manifester Malnutrition gilt es nach genauer Diagnostik der Ursachen die Ernährung individuell anzupassen. Hierfür stehen heute abgestufte Möglichkeiten mit esstechnisch (z.B. Fingerfood bei nach einem Schlaganfall gelähmten Menschen) und konsistenstechnisch angepasster Nahrung (z.B. angedickte Getränke bei Schluckstörungen), Nahrungssupplementation (z.B. orale Trinknahrung) und enteraler Substitution (Sondenkost) zur Verfügung. Unabdingbar für ein erfolgversprechendes ernährungstherapeutisches Konzept ist die jeweils individuelle Ausrichtung sowie ein möglichst frühzeitiger Beginn der ernährungstherapeutischen Maßnahmen.