Prof. Dr. med. Ingo Füsgen
Ärztlicher Direktor, Geriatrische Kliniken Wuppertal

Fortbildungsaktivitäten des Max Bürger Instituts

Aus einer Reihe von Untersuchungen wissen wir, dass beim Älteren die Mangelernährung (Malnutrition) im Gegensatz zur Adipositas eine deutlich höhere Bedeutung hat. Dabei versteht man unter Mangelernährung eine unzureichende Versorgung des Organismus mit Energie und Nährstoffen bis hin zu körperlichen Auszehrung (Kachexie). Eine Mangelernährung hat vielfältige Einflüsse auf den Allgemeinzustand, aber auch auf einzelne Organsysteme und stellt so einen eigenständigen Risikofaktor für Mortalität dar. In älteren Untersuchungen finden sich bis zu 50 Prozent Älterer mit Mangelernährung, je nach Aufenthaltsort und Krankheitsbild. Die Einflussfaktoren, die eine Mangelernährung begünstigen, sind uns heute aus einer Reihe von Studien bekannt. Wir wissen auch, dass eine entsprechende Ernährungstherapie sich hier positiv auswirken kann.

Während man für Diätassistentinnen und Ärzte in letzter Zeit bewusst auf die Ernährungsprobleme älterer Patienten eingeht und auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin und die Deutsche Gesellschaft für Geriatrie eine Leitlinie für die Älteren erarbeitet haben, werden Ernährungsprobleme bei älteren Pflegebedürftigen in Heimen bisher anscheinend tabuisiert. Anders ist nicht zu erklären, warum nach den Untersuchungen des MDK ein so hoher Anteil älterer pflegebedürftiger Menschen nicht ausreichend ernährt ist. Eine Antwort könnte sein, dass hier dem entsprechenden Partner in der Pflege, der Pflegekraft, im Gegensatz zu den anderen medizinischen Berufen keine entsprechende Weiterbildung angeboten wird.

Das Max Bürger Institut für Altersforschung e.V. greift nun mit Unterstützung der Firma Pfrimmer Nutricia dieses Problem auf und beginnt eine Weiterbildungskampagne für Pflegekräfte in der stationären Altenheimversorgung. Dazu sind gleichzeitig auch die betreuenden Hausärzte mit eingeladen. Das bisher bestehende St. Florians-Prinzip bei Mangelernährung, einer weist dem anderen die Schuld zu, soll durchbrochen werden. In der Weiterbildung werden Probleme, die eine Mangelernährung beeinflussen, aber auch Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten besprochen.

Es ist unsere ethische Verpflichtung, sie Bedürfnisse älterer und pflegebedürftiger Menschen und insbesondere die Befriedigung elementarer Bedürfnisse wie Essen und Trinken zu sichern. Mangelernährung darf kein "Altersschicksal" sein, auch wenn man pflegebedürftig ist.