Mangelernährung im Alter:

Fehlende Reserven verzögern die Genesung

Bonn, 22.09.05 Häufige Infekte, Erschöpfung und schlechte Wundheilung – Mangelernährung und ihre Folgen wirken sich oft dramatisch aus. Opfer von einseitiger oder nährstoffarmer Nahrung sind vor allem ältere Menschen. Wie schlecht es um den Ernährungsstand der Betagten aussieht, zeigt sich meist erst, wenn alte Menschen ins Krankenhaus müssen: Jeder zweiter Krankenhauspatient über 65 Jahre ist unterversorgt. Dabei sind die Auswirkungen bei Ihnen besonders kritisch. Studien¹ zeigen, dass Komplikationen nach einer Erkrankung zunehmen und das Sterberisiko 3,8 mal höher ist.

Unter- und Mangelernährung bleiben bei der Pflege älterer Menschen oft unerkannt. Deutlich wird dies in einer Studie² zur Ernährungssituation von Krankenhaus-Patienten: Mehr als die Hälfte der Senioren bringt bereits bei der Einlieferung zu wenig Gewicht auf die Waage, und häufig verlieren ältere Menschen noch mehr an lebenswichtiger Substanz in der Klinik.

Mangel als Teufelskreis
Der Preis dafür ist hoch, denn bei akuten Erkrankungen verzögert sich die Genesung und nach Operationen treten häufiger ernste Komplikationen auf. Dadurch wird nicht nur Lebensqualität und Wohlbefinden der Patienten beeinträchtigt. Chronische Mangelernährung löst ihrerseits eine Vielzahl von Erkrankungen aus. Ein Teufelskreis, wenn in der Folge der Appetit sinkt und zu wenig gegessen wird.

Der Einstieg in die Mangelernährung beginnt meist schon in den eigenen vier Wänden. Es gibt viele Gründe, die dazu beitragen, dass der Speiseplan alter Menschen einseitig und nährstoffarm ist: zum einen der nachlassende Appetit, aber auch altersbedingte Schwierigkeiten beim Schlucken und Kauen. Zum anderen wirken sich Krankheiten oder Nebenwirkungen von Medikamenten und Einsamkeit nachteilig auf den Appetit und die Verdauung aus.

Ernährungsmängel sind ein gravierendes Gesundheitsrisiko. Eiweißmangel bei Senioren erhöht zum Beispiel die Gefahr des Wundliegens. Bleibt der Mangel bestehen, sinken auch die Wundheilchancen. „Hausärzte, Krankenhäuser und Pflegepersonal müssen dem Ernährungszustand ihrer Patienten unbedingt mehr Aufmerksamkeit schenken“, fordert Erhard Hackler, geschäftsführender Vorstand der DSL. Fakt ist, dass eine bedarfsgerechte Ernährung einen wesentlichen Beitrag zum Wohl der Patienten und zum Erfolg der Therapie leistet. Mangelernährte sind dagegen länger pflegebedürftig und bleiben länger im Krankenhaus. Eine effektive Vorbeugung und Behandlung der Mangelernährung hilft nicht nur dem Patienten, sondern spart auch Kosten.

Ergänzende Ernährungstherapie
Kranke Senioren benötigen sehr schnell Nährstoffe in konzentrierter Form. Ist eine ausreichende Versorgung über herkömmliche Lebensmittel nicht mehr möglich, kann eine ergänzende Therapie mit bilanzierter Trink- und Zusatznahrung hilfreich sein. So lassen sich gerade bei Senioren, die dazu neigen, zu wenig und unausgewogen zu essen, Mangelerscheinungen, Untergewicht und häufiges Kranksein vermeiden. Vor allem bei Erkrankungen, bei denen täglich eine hohe Menge an Eiweiß zugeführt werden muss, hat sich der Einsatz der Trinknahrungen nachweislich bewährt.

Mehr Klarheit bei der Verordnung von Sonden- und Trinknahrung schafft nun eine neue Richtlinie zur enteralen Ernährung, die ab 01. Oktober in Kraft tritt. Sie regelt die Versorgung von Patienten mit Unter- oder Mangelernährung und verspricht langfristig eine bessere und bedarfsgerechte Versorgung der Patienten. Erhard Hackler begrüßt die Richtlinie: „Die neue Regelung ist ein Schritt in die richtige Richtung. Angesichts der Bevölkerungsentwicklung sehen wir dringenden Handlungsbedarf bei der Bekämpfung der Mangelernährung im Alter“.

Die wichtigsten Informationen zu Ursachen, Folgen und Maßnahmen der Mangelernährung hat die DSL in der Broschüre „Mangelernährung im Alter“ zusammengestellt. Sie ist kostenfrei und kann schriftlich bei der Deutschen Seniorenliga e.V., Gotenstr. 164 in 53175 Bonn bestellt oder im Internet unter www.dsl-mangelernaehrung.de abgerufen werden.


Quellen:
1) „Essen im Alter - Zu wenig? Zu viel? Das Falsche?“, Dossier zu Seniorenernährung in Deutschland, Verbraucherzentrale Bundesverband e.V., Januar 2004

2) Social risk factors for hospital malnutrition, Matthias Pirlich et al (2005), Nutrition 21, 295–300