Mangelernährung rechtzeitig vorbeugen

Senioren essen oft zu wenig oder das Falsche

Bonn, 27.07.05 Falsche Ernährungsgewohnheiten, schlecht erreichbare Supermärkte auf der „grünen Wiese“, schwer lesbare Warenbezeichnungen, Probleme beim Öffnen der Verpackungen – für ältere Menschen ist es nicht immer leicht auf eine gesunde und altersgemäße Ernährung zu achten. Als weiteres Problem kommt hinzu, dass Appetit und Durst im Alter nachlassen und dadurch nicht mehr den tatsächlichen Bedarf wiederspiegeln. Senioren benötigen zwar weniger Energie, aber unverändert viele Nährstoffe. Die Deutsche Seniorenliga gibt Tipps, was ältere Menschen oder ihre pflegenden Angehörigen beachten sollten, um eine Mangelernährung zu vermeiden oder dieser entgegenzuwirken.

Rund 87 Prozent der Senioren halten eine ausgewogene Ernährung zur Sicherung ihrer Gesundheit für wichtig. Trotzdem essen sie oft zu wenig Obst, Gemüse und Vollkorn-produkte und stattdessen lieber Fleisch, Wurst und Eier. Ein vermindertes Geschmacks- und Geruchsempfinden sowie Probleme beim Kauen und Schlucken führen schnell zu einseitigen Ernährungsgewohnheiten. Hinzu kommt, dass ältere Menschen einen geringeren Appetit verspüren. Die Ursachen hierfür sind vielfältig: Im Alter ist der Magen weniger dehnbar und signalisiert daher bereits früher ein Sättigungsgefühl. Auch die regelmäßige Einnahme von Medikamenten kann einen Appetitmangel oder Übelkeit verursachen. Hinzu kommen belastende Lebensereignisse oder ein fehlendes soziales Umfeld, die die Motivation zum Essen nehmen. Schließlich können körperliche und geistige Erkrankungen Ursache für eine verringerte Nahrungsaufnahme von Senioren sein. Die Folge von Appetitverlust und falscher Ernährung ist häufig eine Mangelernährung. Wie in der Studie Ernährung ab 651 festgestellt wurde, nehmen allein stehende Senioren zu wenig Ballaststoffe, Kalzium, Vitamin D und Folsäure zu sich. Mit dem Alter wird der Körper jedoch anspruchsvoller. Auf fetthaltige Kost können Senioren verzichten, nicht jedoch auf eine hohe Nährstoffdichte ihrer Nahrung. Zum Teil steigt der Nährstoffbedarf im Alter sogar an, da manche Vitamine und Mineralstoffe vom Körper nicht mehr so gut aufgenommen werden oder Erkrankungen den Bedarf erhöhen.

Ernährungsberatung
Um rechtzeitig eine Ernährungsumstellung auf nährstoffdichte und energiereiche Lebens-mittel einzuleiten, kann eine Ernährungsberatung hilfreich sein, wie sie beispielsweise Volks- hochschulen und Verbraucherberatungen anbieten. Senioren, die nicht mehr so häufig einkaufen gehen können, sollten auf Tiefkühlgerichte zurückgreifen. Wer nicht selbst kochen möchte, kann sich für eines der zahlreichen Angebote von „Essen auf Rädern“ entscheiden. Ist der Umgang mit dem Besteck problematisch, sollten Senioren Essen erhalten, das bereits in mundgerechte Stücke zerteilt ist, die ohne Messer und Gabel gegessen werden können. Ein solches „Fingerfood“ erhält die Lust am Essen und bewahrt die Selbstständigkeit der Senioren. Ältere Menschen, die Kau- oder Schluckprobleme haben, sollten eventuell einen Zahnarzt aufsuchen oder durchpassierte beziehungsweise angedickte Nahrung erhalten. Muss älteren Menschen Essen dargereicht werden, sollten sie aktiv miteinbezogen werden, indem der Pflegende ihre Hand führt. Am wichtigsten jedoch ist die Gesellschaft bei den Mahlzeiten, sie steigert die Motivation der Senioren zum Essen.

Nahrungsergänzung
Bei kranken älteren Menschen führt eine Ernährungstherapie mit gezielter Lebensmittel-auswahl und Hilfestellungen bei der Nahrungsaufnahme häufig nicht zur Verbesserung des Ernährungszustandes. Sie benötigen sehr schnell Nährstoffe in konzentrierter Form. Hierfür kann eine hochkalorische Trinknahrung hilfreich sein, die beispielsweise zwischen den Mahl-zeiten und am Abend eingesetzt wird. Trinknahrungen sind in verschiedenen Geschmacks-richtungen und mit unterschiedlicher Nährstoffzusammensetzung erhältlich, so dass sie individuell dem Geschmack und den Bedürfnissen des Betroffenen angepasst werden können. Eine bilanzierte Trinknahrung steigert die Energie- und Nährstoffaufnahme, erhöht den Appetit und verbessert somit die Lebensqualität und –erwartung von Senioren. Nach Absprache mit dem Arzt kann auch eine Nährstoffanreicherung des Essens durch geschmacksneutrale Pulversupplemente mit Vitaminen, Spurenelementen, Eiweißkonzentrat und Mikronährstoffen sinnvoll sein. Wichtig ist, dass die Therapie durch eine regelmäßige Kontrolle des Ernährungszustandes überprüft und falls erforderlich neu angepaßt wird. Trinknahrung ist verordnungsfähig und kann vom behandelnden Arzt verschrieben werden.

Weitere Ernährungsempfehlungen für Senioren enthält die neue Broschüre der Deutschen Seniorenliga „Mangelernährung im Alter – Alarmsignale und Maßnahmen“ sowie die Internet-seite www.mangelernaehrung.de. Die Broschüre ist kostenlos und kann schriftlich bei der Deutschen Seniorenliga e.V., Gotenstr. 164 in 53175 Bonn oder im Internet angefordert werden. Dort steht sie auch zusätzlich als Download zur Verfügung.


Quelle: Stehle P., Volkert D., Junk K., Sack S.: Ernährung älterer Menschen in der Bundesrepublik Deutschland. In: Dt. Gesellschaft für Ernährung (Hrsg.): Ernährungsbericht 2000, Frankfurt am Main (2000), 147-178/